Bild:Stationen der Barmherzigen Schwestern

Orden der barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul, Freiburg

Habsburgerstr. 120
79104 Freiburg

SEIT ÜBER 150 JAHREN ORDEN DER BARMHERZIGEN SCHWESTERN VOM HL. VINZENZ VON PAUL IN FREIBURG
„Der Advent des Jahres 1846 war gekommen. Mit ihm zogen fremde Gäste in den Mauem Freiburgs ein. Erzbischof Hermann nahm erstere mit gewohnter Herzensgüte in seinem gastlichen Hause auf. Daselbst wurden Vorkehrungen getroffen, damit die Fremden noch vor Jahresschluß das für sie bestimmte neue Heim beziehen könnten.Es nahte der Morgen des 27. Dezember. Feierlicher und freudiger denn je lud des Domes Festgeläute zum Gottesdienste die Gläubigen ein; denn es war zugleich des Jahres Dankfest an St. Johann des Apostels Tag. Und es strömte in langen Reihen das Volk zum Gotteshause - in Unserer Lieben Frauen Münster. Das heilige Opfer war vollendet und verklungen das Tedeum. Jetzt traten die Fremden vor Unserer Lieben Frau Hochaltar, um des Greisen Hirten hohenpriesterlichen Segen zu empfangen. Ein imposanter Zug vornehmer Festgenossen aus allen Ständen ordnete sich, um die Fremden an den Ort ihrer Bestimmung festlich zu geleiten. Wer aber waren die Ankömmlinge. Die Gäste waren sechs Barmherzige Schwestern aus dem Mutterhause zu Straßburg, welche zur Übernahme der Krankenpflege und des Haushaltes im klinischen Hospital hier berufen wurden.“

Mit diesen Worten begann Superior Karl Mayer 1896 die Festschrift zur „goldenen Jubelfeier“. Somit liegt die Ankunft von Barmherzigen Schwestern in Freiburg nunmehr über 150 Jahre zurück. Der Orden der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul, so der offizielle Name, ist nicht unmittelbar von Vinzenz von Paul (1581-1660) gegründet worden.Im ausgehenden 17. Jahrhundert entstand im Bistum Chartres eine Gemeinschaft, die sich die Spiritualität und die Organisation des Pariser Mutterhauses zu eigen machte.Nach diesem Vorbild wurde 1734 durch Fürstbischof Armand Gaston de Rohan-Soubise von Straßburg eine Gemeinschaft im Elsaß ins Leben gerufen. Diese Schwestern wählten sich Vinzenz von Paul zu ihrem Patron und wußten sich so seinem Geist und Werk verpflichtet. Somit wurde das Straßburger Mutterhaus im 19. Jahrhundert auch der Ausgangspunkt für die Niederlassungen in Deutschland. „Die Barmherzige Schwester ist auf die Erde gesandt, um die Güte Gottes den Kranken und Leidenden vorzustellen“, so sagte es Vinzenz von Paul. Da im letzten Jahrhundert die staatliche Sozialfürsorge noch alles andere als ausreichend - wenn überhaupt vorhanden - war, so konnte es für die Bevölkerung eines Landes nur von Vorteil sein, wenn sich caritative Orden bei ihnen niederließen. Doch dies zu entscheiden, oblag dem zuständigen Bischof. In der damals noch jungen Erzdiözese Freiburg war 1836 Ignatius Demeter zum Erzbischof gewählt worden. Dieser aus Bayern stammende Mann, hatte bereits in seiner Heimat die Vinzentinerinnen kennen gelernt und wollte diesen Orden auch in seinem Erzbistum einfuhren. Er starb jedoch bereits 1841 , hatte aber in seinem Testament 2/3 seines Vermögens zur „Stiftung des Instituts der Barmherzigen Schwestern im badischen Land“ bestimmt. Sein Nachfolger Erzbischof Hermann von Vicari arbeitete an der Idee seines Vorgängers weiter. War der Erzbischof an der Ordenseinführung zwar interessiert, so mußte aber dennoch die großherzogliche Regierung Badens ihre Zustimmung erteilen.

Und dies war schon schwieriger, da zunächst viele Vorurteile beiseite geräumt werden mußten. So dauerte es bis ins Jahr 1845 als Großherzog Leopold endlich die Genehmigung erteilte.Nunmehr wurde vom Erzbischof ein Ausschuß gegründet, der sich um die Verwaltungsgeschäfte und den Bau eines Mutterhauses kümmern sollte. Im September 1845 fand dann erstmals ein Gespräch mit dem Generalsuperior Spitz und der Generaloberin Schwester Vincentia aus Straßburg statt. Doch die für Ende des Jahres geplante Niederlassung in Freiburg scheiterte, „weil die Straßburger Genossenschaft große Lücken zeigte, welche Krankheit und Tod in ihren Reihen zurückgelassen.“

Somit traf erst ein Jahr später am 27. Dezember 1846 Schwester Oberin Regina zusammen mit fünf weiteren Schwestern in Freiburg ein.Die Arbeit der Vinzentinerinnen in der Erzdiözese konnte nunmehr beginnen und die Niederlassung in einer Vielzahl von badischen Städten erfolgen.
Hierher nach Mannheim kamen die Schwestern bereits 1889, drei Schwestern in das katholische Gesellenhaus und vier Schwestern in das alte Theresienhaus.

Bild: Mutterhaus der barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz v. Paul in Freiburg

Mutterhaus der barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz v. Paul in Freiburg
(erbaut 1851 - 1853)
Aufnahme aus der Zeit vor der Zerstörung am 27. November 1944
(Foto:Archiv des Ordens/Freiburg)

„Aus kleinen und mühsamen Anfängen ist etwas geworden, auf dem spürbar der Segen Gottes ruht.“

Im Auf und Ab der Zeiten, waren es die Schwestern unserer Gemeinschaft und viele, die sie dabei unterstützt haben, die die Idee des hl. Vinzenz weitertrugen: Menschen in Not das zu geben, was sie an Leib und Seele nötig haben, besonders aber auch das gelebte Zeugnis christlichen Glaubens und christlicher Nächstenliebe. Immer wieder stellten sich unserer Gemeinschaft und ihrem Tun Schwierigkeiten in den Weg, und immer wieder gelang es im Vertrauen auf Gott, aber auch im ehrlichen Zusammenstehen und Zupacken, diese Schwierigkeiten zu überwinden.
In den letzten Jahren wurden die Einrichtungen unserer Gemeinschaft in einem großen Umfang baulich und organisatorisch weiterentwickelt, so daß wir den Herausforderungen unserer Zeit gerecht werden können. Alte und kranke Menschen, aber auch Kinder und Jugendliche dürfen mit Recht erwarten, in unseren Häusern auf ein qualitativ hochstehendes Angebot zu treffen.
Aus verschiedenen Gründen hat leider die Gemeinschaft der Schwestern mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten können. Wie bei vielen anderen Ordensgemeinschaften fehlt es auch bei uns an Nachwuchs, und eine beträchtliche Überalterung der Schwestern macht uns zunehmend zu schaffen.
Eine große Zahl von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen hat inzwischen die Aufgaben unserer Schwestern übernommen und versucht auf ihre Weise, etwas vom Erbe des hl. Vinzenz von Paul in die Zukunft hineinzutragen: zum Segen vieler Menschen. Dafür sind wir besonders dankbar.
Menschlich gesehen bleibt die Frage nach der Zukunft unserer Gemeinschaft offen. Dennoch haben wir Grund zur Dankbarkeit, wenn wir zurückschauen, und zur Zuversicht, wenn wir nach vorne blicken.
Nicht zuletzt aufgrund dieser in den letzten Jahren sich verändernden Rahmenbedingungen haben wir uns vor über 5 Jahren entschlossen zusammen mit dem Kloster Maria Hilf in Bühl unsere ehemals selbständigen beiden Mannheimer Krankenhäuser in die „Theresienkrankenhaus und St. Hedwig-Klinik GmbH“ überzuführen.
Wir vertrauen darauf, daß sich auch weiterhin immer wieder Mitarbeiter finden, die verstehen, wie wichtig es ist, den Mitmenschen aus christlicher Verantwortung und Liebe beizustehen, und darauf, daß das Zeugnis vinzentinischen Dienstes an den Menschen auch weiterhin geschätzt und gerne angenommen wird

Dieter Holderbach                       Schwester Gerlanda Jäger           

(Superior)                                   (Generaloberin)  

Bild:Vinzenz von Paul

Vinzenz von Paul

1581 als drittes von sechs Kindern in Ranquines bei Pouy in Südwestfrankreich geboren
1600 zum Priester geweiht
1617 Gründung der ersten Charitashelfergemeinschaft
1625 Gründung der Lazaristen
1633 Zusammen mit Louise de Marillac Gründung der "Töchter der christlichen Liebe"

1660 am 27. September gestorben
1737 heilig gesprochen