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Wenn die Herzklappe nicht mehr richtig schließt

Seit Juli werden MitraClips im Theresienkrankenhaus eingesetzt

   

19.07.2017

Die Mitralklappeninsuffizienz ist die zweithäufigste Herzerkrankung in Industrieländern. Am Theresienkrankenhaus implantieren die Kardiologen seit Juli MitraClips. Ziel dieses interventionellen Verfahrens ist es, den Schweregrad der Mitralklappeninsuffizienz zu reduzieren und dadurch die bestehende Herzschwäche zu vermindern oder sogar ganz zu beheben.

Bei der Mitralklappeninsuffizienz geschieht folgendes: Die linke Herzkammer pumpt das Blut in den Körperkreislauf. Dabei verhindert die sogenannte Mitralklappe ein Zurückströmen des Blutes in den Vorhof und damit in die Lunge. Die Klappe besteht aus zwei Segeln, welche beim Schließen beim gesunden Menschen eine perfekte Abdichtung gewährleisten. Wenn die Mitralklappe aber nicht mehr richtig schließt, fließt sauerstoffreiches Blut zurück in den linken Vorhof und erreicht damit nicht den Körperkreislauf. Um die für die Organe fehlende Menge an Blut und Sauerstoff ausgleichen zu können, entwickeln Patienten häufig ein vergrößertes Herz, da das Organ schwerer arbeiten muss, um Blut durch den Körper zu pumpen. Diese Vergrößerung jedoch schwächt das Herz auf Dauer. Die Herzschwäche führt zu einer Einschränkung der Belastbarkeit, Luftnot bei Anstrengung und Rückstau des Blutes in die Lungenstrombahn mit der Gefahr eines Lungenödems, das unbehandelt lebensbedrohlich ist. Auch der Vorhof kann sich durch die Insuffizienz vergrößern. Das kann zu Herzrhythmusstörungen wie zum Beispiel Vorhofflimmern oder sogar zum Schlaganfall führen.

Eine undichte Mitralklappe (= Mitralinsuffizienz) wird lange vom Körper toleriert, ohne dass die Patienten etwas davon bemerken. Wenn aber Beschwerden auftreten, liegt häufig bereits eine fortgeschrittene Herzschädigung vor. "Eine Mitralinsuffizienz ist eine ernstzunehmende Herzerkrankung, die rechtzeitig diagnostiziert und behandelt werden muss, um die drohenden Folgeerscheinungen zu verhindern", weiß Dr. Simon Walter, Oberarzt am Theresienkrankenhaus, der sich federführend in der Kardiologie um die MitraClips kümmert. Als Alternative zu einer sehr aufwändigen, offenen Operation am Herzen mit herzchirurgischer "Reparatur" der Mitralklappe, welche eine Herz-Lungen-Maschine erfordert, wurde das MitraClip-Verfahren entwickelt. Mithilfe dieser Methode können die Kardiologen nun den Herzklappen betroffener Patienten im Herzkatheterlabor minimalinvasiv auf die Sprünge helfen: Ein Katheter wird von der rechten Leiste in die linke Vorkammer des Herzens eingeführt. An der Grenze zwischen linker Vorkammer und linkem Vorhof befindet sich die Mitralklappe. Über den Katheter wird eine Art Klammer, der MitraClip, zur Mitralklappe geführt und dort exakt überprüft, an welcher Stelle Blut zurück in die Vorkammer fließt. Dann wird die Klammer gezielt angesetzt und verbindet die beiden Segel der Klappe so, dass sie vollständig schließen kann. "Sollte die Klappe nicht richtig schließen, kann der Clip so lange versetzt werden, bis die optimale Position gefunden ist und wir eine ausreichende Dichtigkeit erreicht haben", weiß Dr. Walter: "Bei einem guten Ergebnis wird der Katheter vom MitraClip gelöst und zurückgezogen. Der MitraClip verbleibt dann an der Klappe".

Während des gesamten Eingriffs kontrollieren die Ärzte den Fortschritt per 3D-Echokardiographie (Ultraschall), um eine größtmögliche Sicherheit für den Patienten gewährleisten zu können. Durch das minimalinvasive Vorgehen ist das Verfahren sehr schonend und eignet sich auch für Patienten, welche aus gegebenen Gründen nicht für eine offene Operation geeignet sind. Im Schnitt dauert die Implantation eines MitraClips etwa zwei bis drei Stunden. Dabei liegt der Patient in Vollnarkose im Herzkatheterlabor und wird von Ärzten und Pflegekräften überwacht. "Meist fühlen die Patienten schon direkt nach dem Eingriff einer Verbesserung ihres Befindens und ihrer Leistungsfähigkeit", so Dr. Walter: "Mit der minimalinvasiven Rekonstruktion der undichten Mitralklappe haben wir ein erfolgversprechendes, schonendes Verfahren zur Hand. Diejenigen Patienten, die aufgrund eines erhöhten OP-Risikos nicht für eine Operation geeignet sind, können wir durch das MitraClip-Verfahren effektiv behandeln." Diese Methode wird seit 2008 an wenigen Kliniken in Deutschland durchgeführt. Die Langzeitstudienergebnisse sind viel versprechend: Die Lebensqualität und die körperliche Leistungsfähigkeit verbessert sich bei einem großen Teil der Patienten nach den Eingriff.

"Die Etablierung des MitraClip-Verfahrens am Theresienkrankenhaus erweitert nicht nur das interventionelle Spektrum der Kardiologie, sondern ist auch ein sehr schönes Beispiel für eine gelebte fachübergreifende Kooperation mehrerer Abteilungen. Bereits die Patientenselektion erfordert den Konsens eines sogenannten "Heart-Teams" aus Kardiologen, Anästhesisten und Herzchirurgen, wobei wir als Partner die Herzchirurgie am Klinikum Ludwigshafen gewinnen konnten", so Chefarzt Prof. Dr. Markus Haass. (ckl)

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Webseite www.herzklappenhilfe.de.