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Aktuelles zur Diabetestherapie im Theresienkrankenhaus

Mehr als 300 Besucher kamen zum elften Diabetes-Infotag

   

04.05.2018

Die aktuellen Prognosen der International Diabetes Federation sind erschreckend: So rechnen die Experten mit einer Zunahme der Diabeteserkrankungen in den nächsten drei Jahrzehnten um fast 50 %. Derzeit leiden weltweit etwa 425 Millionen Menschen an Diabetes, bis zum Jahr 2045 werden es voraussichtlich 629 Millionen sein. Mit dieser Information leitete Dr. Matthias Doll, Oberarzt und Diabetologe am Mannheimer Theresienkrankenhaus seinen Vortrag ein, den er anlässlich des elften "Diabetes Infotages" hielt. Mehr als 300 Besucher waren der Einladung der Fachabteilung Diabetologie gefolgt, um sich gesundheitlich checken zu lassen, an Ständen neue Produkte kennezulernen und in Vorträgen Neues rund um die Volkskrankheit zu erfahren.

Konkret ging Dr. Doll auf die erfreulichen Neuerungen in der Therapie des Typ-2-Diabetes, landläufig Altersdiabetes genannt, ein. So stellen die Pharmaunternehmen mittlerweile neue Medikamente zur Verfügung, die ein deutliches verbessertes Wirkprofil aufweisen: Die Insuline senken den Blutzucker ohne beim Betroffenen Unterzuckerungen auszulösen. Außerdem ist es mit den neuen Medikamenten leichter, das Körpergewicht stabil zu halten oder abzunehmen und sie sind problemlos mit anderen Wirkstoffen kombinierbar. Darüber hinaus senken sie den Blutdruck und Langzeitblutzuckerwert. Dr. Doll ging auf die verschiedenen Wirkstoffe ein, erläuterte deren individuelle Wirkweisen und gewährte so den zahlreichen Zuhörern einen positiven Blick in Gegenwart und Zukunft der Diabetestherapie.

Wie man im Alltag Unterzuckerungen vermeiden kann, darauf ging Diabetologin Dr. Sandra Pintschovius ein. Die Betroffenen nehmen dies meist in körperlichen Symptomen wahr: Schwitzen, Herzrasen, Heißhunger, Zittern, aber auch Konzentrationsschwächen, Sprach- und Sehstörungen bis hin zu Bewusstseinsstörungen können auftreten, wenn der Blutzucker unter einen kritischen Wert von 70mg/dl sinkt. Die Gründe dafür sind den meisten Diabetikern bekannt, dennoch lassen sich die Ursachen im Alltag nicht immer ausräumen: Wenn die Insulindosis falsch berechnet ist, zu wenig gegessen wurde, wenn der Betroffene Sport treibt oder Alkohol trinkt - all das kann zu Hypoglykämien führen. Deshalb, so erläuterte Dr. Pintschovius, sei es für Menschen mit Diabetes wichtig, vorausschauend zu agieren, regelmäßig den Blutzucker zu messen und geregelte Mahlzeiten einzuplanen. Bei körperlichen Betätigungen gelte es, die Insulindosis zu reduzieren.

Diabetesberaterin Daniela Reuthebuch ging in ihrem Vortrag auf die Besonderheiten ein, die ein Diabetiker beachten muss, wenn er mit dem Auto oder dem Fahrrad im Straßenverkehr unterwegs ist. So ist es zwingend erforderlich und in den ""Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung" der Bundesanstalt für Straßenwesen vorgeschrieben, dass nur gut eingestellte und geschulte Menschen mit Diabetes ein Kraftfahrzeig führen sollten. Insbesondere die Wahrnehmung drohender Unterzuckerungen dürfe nicht beeinträchtigt sein. Dann aber stehe einem Ausflug im Auto nichts im Wege.

Wie sich der Blutzuckerspiegel unter Einwirkung von Alkohol verhält, erläuterte Diabetesberaterin Katharina Halstenberg. Sie warnte davor, übermäßg zu trinken, denn der Alkohol senkt den Blutzuckerspiegel und ist dabei kaum zu kalkulieren. So ist die Leber für die Alkoholentgiftung des Körpers zuständig, gleichzeitig aber auch für die Speicherung und Abgabe von Zucker ins Blut. Das Organ priorisiert dabei aber die Entgiftung. Deshalb neigen Diabetiker unter Alkoholeinwirkung dazu in den Unterzucker zu geraten. Insbesondere auch bei kohlenhydratreichen, alkoholischen Getränken wie Bier, Radler oder Dessertweinen ist zunächst ein rascher Anstieg des Blutzuckers, danach ein ebenso rasanter Abfall zu verzeichnen. Deshalb riet die Diabetesberaterin zu vorsichtigem Alkoholkonsum.

Umrahmt wurde die Veranstaltung von zahlreichen Messeständen, an denen die Hersteller neue Pens und Blutzuckermessgeräte präsentierten. Mitarbeiter des Theresienkrankenhauses nahmen außerdem die Werte der Besucher unter die Lupe: Die Messung von Blutzucker, Blutdruck, Cholesterin und weiteren Langzeitwerten gaben einen Eindruck vom Gesundheitszustand der Besucher. (ckl)