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Damit der Rhythmus stimmt

„Herzensangelegenheiten“ zum Thema Vorhofflimmern

   

26.11.2018

Selten war eine musikalische Einführung so passend wie bei den Themen Vorhofflimmern und Herzrhythmusstörungen, die beim Patienteninformationsabend der kardiologischen Abteilung des Mannheimer Theresienkrankenhauses Mitte November in den Mittelpunkt gestellt wurden. So viele Menschen waren noch nie bei einem derartigen Vortragsabend zu Gast. Mit knapp 400 Gästen war der Saal bis auf den letzten Platz besetzt und Chefarzt Prof. Dr. Markus Haass sowie Sektionsleiter Dr. Boris Schumacher konnten knapp zwei Stunden einem aufmerksam lauschenden Publikum Informationen zum Themenkomplex der Herzrhythmusstörungen geben.

Der TKH-Chor aus Mitarbeitern des Krankenhauses unter Leitung von Bernhard Karch sorgte für einen musikalischen Einstand aus einem klassischen und einem beswingten Stück. Dieses lobte Prof. Haass im Anschluss, denn "es hatte einen für das Herz idealen Rhythmus von etwa 60 bis 80 Schlägen pro Minute", so der Chefarzt. Bei 100.000 Schlägen pro Tag könne das Herz durchaus auch mal aus dem Takt geraten. Dann sei es wichtig, die Ursachen und die klinische Relevanz einer solchen Entgleisung zu erkennen. Denn die Auswirkungen von Herzrhythmusstörungen können von einem harmlosen Herzstolpern bis hin zu einem lebensbedrohlichen Kammerflimmern reichen. Aber selbst bei kleinen Rhythmusproblemen können ernstzunehmende Einschränkungen auftreten: Häufig nimmt dadurch die Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität der 1,8 Millionen in Deutschland betroffenen Patienten ab. Auch wenn die Rhythmusstörungen zunächst keine gesundheitlichen Auswirkungen haben müssen, so sind sie häufig ein Indiz für andere schwerwiegende Krankheiten: Prof. Hass erläuterte, dass das Risiko für einen Schlaganfall bei Patienten mit Vorhofflimmern um das Fünffache erhöht ist. Deshalb müsse die Früherkennung gefördert werden, insbesondere bei Patienten über 65 Jahre, die weitere Risikofaktoren wie zum Beispiel Diabetes mit sich bringen. Langzeit-EKGs oder auch implantierte Event-Recorder können darüber Gewissheit bringen und Grundlage einer Therapie sein.

Den Therapieformen widmete sich Dr. Boris Schumacher, der die Sektion Elektrophysiologie am Theresienkrankenhaus leitet. In seinem Vortrag erklärte er die Grundlagen des Vorhofflimmerns, nämlich falsch weitergeleitete elektrische Impulse aus den und in die Lungenvenen. Therapeutisch setzen die Kardiologen hier an: Sie veröden oder vereisen die Schnittstellen zwischen Herz und Lungenvenen, wodurch die elektrischen Impulse nicht mehr weitergeleitet werden und Fehlimpulse vermieden werden können. Mit Studien belegte Schumacher, dass bei etwa 80% aller Patienten durch die sogenannte Ablation eine Verminderung des Vorhofflimmerns und eine deutliche Steigerung der Lebensqualität erreicht werden kann.

Umrahmt von einem blendend aufgelegten TKH-Chor, den Weihnachtssternen der Firma Blumen Beier, den Holzfiguren vom ehrenamtlichen Helfer Herrn Schwind, die für den guten Zweck verkauft wurden, den Angeboten der Deutschen Herzstiftung sowie der AOK Rhein-Neckar Odenwald wurden die Gäste der Herzensangelegenheiten mit einem guten Rhythmus in den Abend entlassen. (ckl)