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Medizinische Fachabteilungen

Gefäß- und Endovascularchirurgie

Behandlungs- und Versorgungsschwerpunkte auf einen Blick:

Krampfadern - Varikosis

Krampfadern (Varizen) sind geschlängelte ausgesackte Venen an den Beinen. Der Blutrücktransport zum Herzen ist gestört. Als wesentliche Ursache besteht eine genetische Veranlagung mit Bindegewebsschwäche und Schwäche der Venenwand und Venenklappe. Durch stehende Tätigkeiten, Schwangerschaften und Bewegungsarmut und Übergewicht wird eine Varikosis verschlimmert.

Datenschutzrechtliche Hinweise: Informationen, welche Daten und Informationen durch das Anschauen des Videos gegebenenfalls abgerufen werden, finden Sie hier.

1. Radiofrequenzobliteration (Closure FAST)
Dabei wird die Stammvene nicht entfernt, sondern ihr Lumen wird verschlossen. Dieses Verfahren kann vollständig ohne Narkose oder regionales Anästhesieverfahren ausschließlich mit einer Lokalanästhesie durchgeführt werden.

2. Cryoexhäirese
Hierbei wird die defektenStammvarize chirurgisch entfernt  - ein seit langem bewährtes Verfahren. Die Krampfadern werden dabei über Sonden herausgezogen (sogenanntes Stripping). Der Patient muss postoperativ einen Kompressionsstrumpf tragen. Die Operation kann sowohl stationär als auch ambulant durchgeführt werden.

3. Kompressionstherapie
Eine fachgerechte Kompressionsbehandlung mit angepassten Strümpfen wird sowohl als alleinige Therapie als auch als Begleittherapie der Operation durchgeführt. Ein Nutzen ist eindeutig nachgewiesen, eine Kompressionsbehandlung führt zur Entlastung des venösen Rückstromes, die Muskelvenenpumpe wird verbessert.

4. Sklerosierungsbehandlung
Diese auch als Verödungsbehandlung bezeichnete Therapie ist nur für kleinere bis mittelgroße Venen geeignet. Dabei wird ein Verödungsmittel (Aethoxysklerol) in die Vene gespritzt, eine künstliche Entzündung wird ausgelöst. Diese führt zur Verklebung der Venenwände und letztlich zum Verschwinden der Krampfadern. Auch nach der Verödung ist eine kurzzeitige Kompressionsbehandlung erforderlich.

Durchblutungsstörungen der Beine

Bei der sogenannten peripheren arteriellen Verschlusskrankheit ist die Blutversorgung der Beine durch eine Arteriosklerose vermindert. Beim Gehen entsteht dadurch ein Sauerstoff- und Nährstoffmangel mit starken Schmerzen vor allem in der Wade. Diese Gehbehinderung wird umgangssprachlich auch Schaufensterkrankheit genannt. Bei fortgeschrittenen Stadien der pAVK kommt es zum Absterben von Gewebe, eine Amputation droht.

Behandlungsmöglichkeiten

1. Operative Behandlung
Die bestehenden Gefäßengstellen bzw. Verschlüsse werden ausgeschält (Thrombendarteriektomie) oder mit einem Bypass überbrückt. Für einen Bypass verwendet man möglichst körpereigene Vene.

Verschluss der Beinarterie vor Bypass
Nach Bypassanlage

 

2. Ballondilatation und Stentimplantation 

Beckenarterienverschlüsse beidseits vor Eröffnung
Beckenarterienverschlüsse beidseits nach Eröffnung mit Ballon und Stents

 

3. Medikamentöse Therapie
Ein wichtiger Teil jeder Behandlung der Durchblutungsstörungen ist der Einsatz verschiedener Medikamente.  In unserer Abteilung werden durchblutungsfördernde Präparate verwendet, außerdem werden Blutverdünner wie Aspirin und Clopidogrel eingesetzt.

4. Spinal-Cord-Stimulation
Sind alle gefäßchirurgischen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft, kann eine Spinal Cord Stimulation (=SCS) durchgeführt werden, um das Bein zu erhalten. Unter örtlicher Betäubung wird eine Elektrode in der Wirbelsäule platziert. Die elektrischen Impulse bewirken eine Unterbrechung der Schmerzleitung der Nerven und eine Verbesserung der Durchblutung. Diese Behandlung wird nur an einigen Kliniken durchgeführt.

Schlaganfall - Verengung der Halsschlagadern

Verengungen der Halsschlagadern können zu regionalen Durchblutungsstörungen des Gehirns und damit zu einem Schlaganfall führen. Etwa 200.000 Patienten sind davon jährlich in Deutschland betroffen.

Als Vorboten eines größeren Schlaganfalles kommt es häufiger zu kleineren Ausfallserscheinungen wie Sehstörungen, Sprachstörungen oder Lähmungen der Arme oder Beine. Sie werden durch Embolien ausgehend von den Einengungen der Halsschlagadern verursacht.

Behandlungsmethoden

1. Carotis-TEA
Bei der Operation wird die Halsschlagader über einen Längsschnitt freigelegt und die Engstelle ausgeschält. Die Halsschlagader wird nach verschiedenen Techniken wieder verschlossen. Insgesamt handelt es sich um einen wenig belastenden Eingriff. Der stationäre Aufenthalt beträgt etwa fünf Tage. Nach der Operation wird ein so genannter Thrombozytenaggregationshemmer (Aspirin oder Clopidogrel) lebenslang eingenommen.

Postoperative Kontrollangiographie
Intraoperative Gefäßrekonstruktion

2. Ballondilatation (PTA)
Hierbei wird in einem verengten Gefäßabschnitt durch eine Ballonerweiterung das Lumen des Gefäßes vergrößert beziehungsweise wieder eröffnet. Es wird ein Stent implantiert, um das Gefäß offenzuhalten und das Ablösen von kleinen Gefäßpartikeln zu verhindern. Die Aufdehnung erfolgt über einen Zugang an den Leistenschlagadern mit langen Kathetern und sogenannten Schleusen.

Bauchschlagadererweiterung - Bauchaortenaneurysma

Das Aneurysma wird als eine spindel- oder sackförmige, lokalisierte, dauerhafte Erweiterung des Querschnitts von Blutgefäßen definiert. Diese Erkrankung entwickelt sich meistens auf dem Boden der Arteriosklerose, kann aber auch nach einem Trauma, Infektionen, Entzündung oder angeborenen Bindegewebsschwäche entstehen.

Die Hauptgefahr besteht in der Ruptur (Riss) des Aneurysmas, die zu einer Blutung führt. Das Aneurysma verursacht nur selten Beschwerden, wie z.B. Rückenschmerzen. Risikofaktoren sind Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen.

Die Diagnose eines Bauchaortenaneurysmas wird meist durch Ultraschall gestellt. Zur genaueren Untersuchung folgt dann eine Computertomographie.

Ab einem queren Durchmesser des Aneurysmas der Bauchschlagader von 5 cm muss eine Operation erfolgen, da dann die Rupturgefahr deutlich ansteigt. Der Patient sollte sich dann bei einem Gefäßchirurgen vorstellen.

Behandlungsmöglichkeiten

Je nachdem, wo das Aneurysma sitzt, kommen folgende Behandlungen in Frage:

1. Aneurysma der thorakalen Aorta

Die Aneurysmen der absteigenden Aorta im Brustkorb werden in der Regel endovaskulär (im Inneren des Gefäßes) versorgt. Durch die Anwendung der Stentprothesen wird das Ausmaß der Operation und damit das Operationsrisiko deutlich minimiert.

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2.  Aneurysmen der abdominalen Aorta

- Ausschaltung des Aneurysmas durch eine Aortenstentprothese (EVAR)
Bei diesem Verfahren wird über die Leistenarterie eine drahtverstärkte Prothese als innere Schienung eingebracht. Dadurch wird der Druck auf die Aortenwand vermindert und ein Durchbruch verhindert. Die Operation ist für den Patienten wenig belastend. Dieses Verfahren ist mittlerweile zum Standardeingriff geworden, über 70% der Patienten können so versorgt werden.

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- Chirurgische Ausschaltung des Aneurysmas
Bei der konventionellen Operation wird der Bauch durch einen Mittelschnitt geöffnet. Nach sorgfältiger Präparation wird die Bauchschlagader durch eine Kunststoffprothese ersetzt. Die Operation ist seit Jahrzehnten bewährt. Belastungen für den Patienten bestehen vor allem einige Tage postoperativ.

Gefäßanomalien, Malformationen

Diagnostik und Therapie von Gefäßanomalien

Unter einer Gefäßfehlbildung, Gefäßmissbildung oder Gefäßmalformation versteht man angeborene oder erworbene Fehlbildungen der Blutgefäße. Es gibt aber auch erbliche Formen wie Morbus Osler. Sie können einzeln oder multipel auftreten.

Alle Körperregionen können von Gefäßmalformationen betroffen sein, primär treten sie an Armen und Beinen auf sowie im Kopf-Hals-Bereich, oder auch an verschiedenen Organen. Obwohl die meisten Anomalien bereits bei der Geburt vorhanden sind, werden sie oft erst in der Pubertät oder im jungen Erwachsenenalter sichtbar. Manche Malformationen haben nur kosmetische Relevanz, können aber auch Schmerzen, Schwellungen, Entzündungen, Thrombembolien, Vergrößerungen einzelner Gliedmaßen, aber auch schweren Blutungen und offene Hautulzerationen bis hin zu einer vital gefährdenden Herzinsuffizienz hervorrufen.

Eine fundierte klinische und radiologische Diagnostik ist erforderlich, um die komplexen Gefäßanomalien zu erkennen, richtig zu klassifizieren und die notwendige Therapien einzuleiten.

Embolisation

Die transarterielle Embolisation kommt vor allem bei arteriell gespeisten Malformationen mit hohem Blutfluss, den High-flow-Malformationen,zur Anwendung. Dabei wird der arterielle Zustrom zur Malformation, der Nidus und der venöse Abstrom mit verschiedenen Embolisaten reduziert und idealerweise gestoppt. Als Embolisate kommen kleine Metallspiralen (Coils oder Plugs) und Flüssigembolisate (Onyx) zum Einsatz.

Bildbeschreibung: Angiographische Einteilung arteriovenöser Malformationen (AVM): Typ I (arteriovenöse Fistel): Shuntverbindung (S) zwischen meistens drei separaten Arterien (A) und einer einzelnen drainierenden Vene (V). Typ II (arteriolovenöse Fistel): Shuntverbindung (S) zwischen multiplen Arteriolen (A) und einer drainierenden Vene (V). Typ III (arteriolovenulöse Fistel): Multiple Shuntverbindungen (S) zwischen Arteriolen (A) und Venolen (V) ((1, 6)).

Bildbeschreibung: Diagnostik und Therapie einer AV-Gefäßanomalie des Fußes

Bild links: Katheterangiographie vor Embolisation. Nachweis einer AV-Gefäßanomalie, das mittels Coiling (weiße Pfeile) der zuführenden Arterien vorbehandelt war und nach einigen Jahren wieder rekanalisierte.

Bild rechts: Einbringen des Mikrokatheters an die Läsion. Injektion des Gewebeklebers Onyx®. (wie transparente Würme zu erkennen). Postinterventionelle Katheterangiographie. à deutliche Verringerung der Malformation aber noch kein Komplettverschluß.

Weitere Beispiele für Embolisationen

Gefäßzugänge - Dialyseshuntanlage, Portanlage

Die Behandlung zahlreicher Erkrankungen erfordert einen Gefäßzugang, der die Verabreichung auch toxischer Medikamente, konzentrierter Nährlösungen oder die Entnahme und Rückgabe großer Blutmengen ermöglicht. Das gilt vor allem für Dialysepatienten und bei  Tumorerkrankungen.

Zu den Behandlungsformen gehören:

1. Dialyse-Shunt-Chirurgie
Wenn eine dauerhafte Blutwäsche (Dialysebehandlung) erforderlich ist, legt der Gefäßchirurg rechtzeitig eine Kurzschlussverbindung zwischen Schlagader und Vene im Bereich des Armes an, damit über das dann schnell abfließende Blut eine Dialyse möglich wird.

2. Port-Chirurgie
Damit die Medikamente, zum Beispiel für eine Chemotherapie, schmerzfrei gegeben werden können, ist ein sicherer Zugang zu den großen Venen nötig. Dazu implantieren wir sogenannte Portsysteme. Es handelt sich dabei um kleine Katheter, die mit einer Kammer zusammen unter die Haut eingelegt werden. Sie können dann von außen angestochen und Medikamente in eine zentrale Vene gegeben werden. Die Portsysteme werden in lokaler Betäubung eingesetzt.

Chronisch venöse Insuffizienz

Nach einer tiefen Beinvenen-Thrombose oder aufgrund einer langjährigen Varikosis (Krampfader)-Erkrankung kann es zu einem chronischen Geschwür kommen (meist im Bereich des Unterschenkels oberhalb des Fußes). Durch die gezielte Unterbindung von sogenannten Perforansvenen (Verbindungen von tiefen und oberflächlichen Venen) können auch langjährige Geschwüre noch zur Abheilung gebracht werden. Diese Operation kann bei uns endoskopisch minimalinvasiv durchgeführt werden.

Begleitend wird eine intensivierte physikalische Entstauung mit Kompressionsbinden und Lymphdrainagegeräten durchgeführt.

Der diabetische Fuß

Darunter verstehen wir Infektionen, Wunden oder Zerstörung von tiefem Gewebe des Fußes in Zusammenhang mit Nervenschaden und/oder Durchblutungsstörungen bei Diabetikern. Dabei wird je nach Art und Schwere der Symptome unterschieden.

Behandlungsmöglichkeiten

Bei vorhandenen Durchblutungsstörungen kann durch Anlage eines Bypasses oder eine Gefäßaufdehnung (mit Ballon) eine Abheilung der Geschwüre erreicht werden. Bei der Behandlung des diabetischen Fußes ist immer eine orthopädische Schuhversorgung oder Entlastung (Orthesen) notwendig.

Schwerpunkt Wundmanagement
Entscheidend für den Heilungsprozess ist die Versorgung der Wunde. Die Abteilung für Gefäß- und Endovascular Chirurgie ist zertifiziertes Zentrum für die stationäre Behandlung des diabetischen Fußes, anerkannt durch die Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG). Wir haben die Möglichkeit, Patienten mit chronischen Wunden stationär und ambulant zu betreuen.

Im Rahmen der Wundbehandlung werden die modernsten Verbandstechniken (unter anderem die Polyurethanschaum- und Alginat-Verbände in verschiedensten Variationen) verwendet. Bei tieferen Wunden setzen wir in unserer Abteilung die Vakuum-Therapie ein (besteht aus einem luftdichten Wundverschluss mit einem Abtransportsystem für Sekrete). In besonderen schwierigen Fällen wird die Madentherapie (Biochirurgie) eingesetzt. Die keimfreien Maden der Goldfliege (Lucilia serricata) werden in Speziallaboren gezüchtet und nach Lieferung an die Wunde angelegt, um diese von abgestorbenem Gewebe und Bakterienbefall zu befreien. Die Maden ernähren sich von krankem Gewebe, so dass das intakte Gewebe verschont wird.


Chefarzt Dr. Matthias Heinrich Tenholt ist als einer der besten deutschen Ärzte zur Behandlung von Beingefäßerkrankungen und PAVK in der Focus-Ärzteliste 2019 geführt.

Chefsekretariat
Frau Wiener
Theresienkrankenhaus
Bassermannstraße 1
68165 Mannheim
1. Etage, Zimmer 103
Telefon: (0621) 424-4303
Telefax: (0621) 424-4676
E-Mail: info.gc
@theresienkrankenhaus.de

Gefäßchirurgische Ambulanz
Telefon (0621) 424-4303

Gefäßchirurgische Stationen

Station 2B
Telefon (0621) 424-4214

Station 2D
Telefon (0621) 424-4302

Zertifizierungen
Die Abteilung Gefäß- und Endovascular Chirurgie ist seit 2011 zertifiziertes Zentrum der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin. Rezertifizierung: 2017.